Preah Vihear

Eine Provinz zwischen Stolz und Vorurteil

Die Provinz Preah Vihear im Norden Kambodschas wird maßgeblich von 2 Hauptattraktionen bestimmt: Zum einen ist da die historisch wie künstlerisch sehr wertvolle Tempelanlage namens Prasat Preah Vihear und zum anderen der seit nun mehr Generationen andauernde Grenzstreit um eben diese Region, auf der dieser Tempel steht. Auch wenn das Auswärtige Amt deswegen immer noch eine Reisewarnung ausspricht, sollten Sie es dennoch in Betracht ziehen, diese kaum erforschte Provinz auf ihrer Kambodscha-Rundreise für ein paar Tage zu besuchen. (Das Auswärtige Amt ist dafür bekannt, immer auf Nummer sicher zu gehen). Entdecken können Sie hier mehrere relevante Tempelanlagen, die bisher noch kaum Touristen anlocken. Manch kleine Ruine im Dschungel wird sogar so gut wie nie besucht und wartet auf ihre Entdeckung. Zudem ist die Landschaft in dieser Provinz äußerst reizvoll und lädt dank neuem Straßennetz zu genussvollen Fahrten abseits der ausgetretenen Touristenwege ein.

Preah Vihear
Preah Vihear Provinz

Der Grenzkonflikt kurz erklärt

Seit gut 150 Jahren liegen sich Kambodscha und Thailand wegen des Gebietes rund um den Prasat Preah Vihear nun schon in den Haaren, sowohl diplomatisch als auch phasenweise mit Waffengewalt. Dabei geht es auch heute noch um alte Wunden, die den jeweiligen Stolz der beiden Länder verletzt haben. Und auch, wenn die Menschen in Südostasien oft so ungezwungen und lebensfroh im Hier und Jetzt zu leben scheinen, trügt dieser Anschein ein wenig. Dieser Menschenschlag ist mindestens genauso stolz und nachtragend wie spontan und gutherzig. Und dann waren da ja noch die Franzosen….aber erst mal der Reihe nach:

 

Mit dem Sieg im sogenannten Siamesisch-Vietnamesischen Krieg erhält Siam, das heutige Thailand also ab 1846 die Herrschaft über Kambodscha. Die Franzosen sind ab 1861 in Vietnam und betrachten dieses als ihre Kolonie (wo das später noch hinführt, wissen wir ja aus abendfüllenden Spielfilmen über den Vietnam-Krieg). Das reicht den Franzosen aber noch nicht und sie schielen schon auf Kambodscha. Durch politischen und militärischen Druck, zwingt Frankreich Siam zwischen 1867 und 1893 dazu, ganz Kambodscha an sie abzutreten. Fortan ist Kambodscha französisches Protektorat.

Jetzt machen wir einen kleinen Sprung zu einem Ereignis, welches den Thais bis heute die Haare zu Berge stehen lässt. Als der thailändische Prinz Damrong 1929 die Tempelanlage Prasat Preah Vihear besucht, empfängt ihn dort der französische Provinzstatthalter samt Soldaten. Was noch schlimmer ist, ist, dass die französische Nationalflagge auf dem Tempelgelände gehisst wurde. Jetzt sind die Thais erst recht sauer und vermessen die ganze Gegend neu und beanspruchen das Gelände um den alten Tempelkomplex für sich, als national bedeutendes Kulturerbe. Die Franzosen sind derweil mit dem Zweiten Weltkrieg in Europa beschäftigt und Kambodscha kann das Problem alleine nicht lösen. Thailand verbündet sich zu allem Überfluss im Zweiten Weltkrieg auch noch mit Japan und erhält alle Gebiete zurück, die es 100 Jahre zuvor an Frankreich respektive Kambodscha abtreten musste.

Dann geht es auf diplomatischen Wegen die nächsten 20 Jahre hin und her, bis der Internationale Gerichtshof in Den Haag entscheidet, dass die Region um die Tempelanlage laut einer Karte von 1904 auf kambodschanischen Boden steht. Die Thailänder bestreiten seitdem mehr oder weniger, dass sie diese Karte jemals anerkannt hätten, während Den Haag sagt, sie haben sie schließlich auch nie angefochten.

 

Sie sehen also: es ist ein richtiges Gerangel, welches auf Außenstehende ein wenig kleingeistig erscheinen mag, hierzulande aber viel mit dem Nationalbewusstsein der involvierten Parteien zu tun hat. In den letzten 15 Jahren bemühen sich beide Länder immer wieder aufeinander zuzugehen und eine diplomatische Lösung zu finden. Aber hin und wieder löst sich auch mal ein Schuss, was die ganze Diskussion dann wieder unnötig erhitzt. Letztendlich wird man sich aber wohl bald einig werden. Schließlich wächst nun ganz Südostasien in der ASEAN-Gemeinschaft zusammen und da sind solche Konflikte wirklich fehl am Platz.

Blick auf Srisaket
Blick auf Srisaket, Thailand

Preah Vihear und die wundervollen Tempel

  • Prasat Preah Vihear: Diese mehrteilige Tempelanlage thront auf dem gleichnamigen Berg in 700 Meter Höhe. Erbaut wurde er im 10. Bis zum 12. Jahrhundert, als die Khmer der Frühzeit noch hinduistisch geprägt waren. Es handelt sich hier wirklich um eine sehr beeindruckende Anlage, die es an Formschönheit und Atmosphäre durchaus mit Angkor aufnehmen kann und deshalb nicht nur Geschichtsbegeisterte, sondern auch die Freunde des schönen Motivs in ihren Bann zu ziehen weiß.
  • Koh Ker: Zentrum dieses sakralen Gebäudekomplexes ist eine 40 Meter hohe, in sieben Stufen aufgeteilte Pyramide. Da auch diese Anlage aus der hinduistisch geprägten Phase des Khmer-Reiches stammt, finden sich auch hier entsprechende Motive, zum Beispiel eine ganze Reihe meterhoher Lingams, Phallussymbolen, die den Gott Shiva und seine Schöpferkraft symbolisieren. Außerdem war Koh Ker für eine kurze Zeit sogar die Hauptstadt des Khmer-Reiches.
  • Preah Khan: Diese Tempelstätte der historischen Khmer umfasst eine Fläche von rund 25 Quadratkilometern und ist ebenfalls einen Tagesausflug wert. Hier verirren sich nur ganz selten schon Touristen hin, weil schließlich alle nur nach Angkor pilgern. Warum eigentlich, wenn es noch solch schöne anderen Tempelanlagen in Kambodscha gibt?
Preah Vihear Temple
Preah Vihear Temple

Wie gesagt: Lassen Sie sich nicht sofort von der Reisewarnung des Auswärtigen Amtes abschrecken. Solange Sie nicht mit Pauken und Trompeten in die militärische Sperrzone einfallen, kann Ihnen nichts passieren. Seit Jahren ist dort kein Schuss mehr gefallen und es hilft dem Näherrücken von Thailand und Kambodscha sicherlich, wenn freundliche Touristen kommen und sich nicht für Grenzkonflikte, wohl aber für die gemeinsame Kultur der beiden Länder interessieren. Die beindruckenden Tempelruinen sind es allemal wert, dass Sie sie erkunden und lästiges, diplomatisches und militärisches Gewese so in den Hintergrund rückt.

 

Die Anreise in die Provinz und in deren Hauptstadt Tbaeng Meanchey ist leider nur von Kambodscha möglich, da die gesamte Grenze zu Thailand in dieser Region gesperrt ist. Das Straßennetz ist in den letzten Jahren allerdings deutlich verbessert worden und stellt also kein Problem mehr da. Von Siem Reap bis zum Prasat Preah Vihear zum Beispiel sind es etwa 3 Stunden Fahrt.

 

Unterkünfte, die einen solchen Namen auch verdient haben, finden Sie in der Provinzhauptstadt. Wer es einfach mag und auch nicht davor zurückschreckt, sich ein Badezimmer mit anderen Gästen zu teilen, wird genauso fündig, wie die, die es ein wenig genussvoller und sauberer im Mittelklasse-Hotel  angehen lassen möchten. Nur wenn Sie auf High-Class-Luxus bestehen, finden Sie hier leider keine entsprechende Infrastruktur.

 

Vorsicht bitte auch abseits der markierten Wege – auch hier liegen immer noch zahlreiche Minen der Roten Khmer verstreut.

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