Die Roten Khmer

Die Roten Khmer
Die Roten Khmer

Vorwort

Es ist für eine Seite über die schöne Kunst des Reisens und damit über eines der schönsten Themen des Lebens, vielleicht ein wenig vermessen, sich zur Geschichte und Politik eines Landes zu äußern. Vor allem, wenn es nicht einmal das eigene ist, gebietet es der gute Ton, auch mal den Mund halten zu können. Aber als Kambodscha-Spezialisten ist es uns wichtig, dass man sich auch einmal mit Hintergründen zu diesem beliebt gewordenen Tourismus-Traumland beschäftigt und sich auch durchaus mal in angemessener Form dazu äußert, auch wenn es sich um weniger schöne Angelegenheiten handelt. Im Falle Kambodschas eben zu den Roten Khmer.

 

Eines ist unseren Autoren aufgefallen, als sie durch Kambodscha gereist sind und nach und nach mit den historischen Fakten konfrontiert wurden, dass man oft als (zukünftiger) Reisender über die ältere und neuere Geschichte und Situation so ferner, exotischer Länder so gut wie nichts weiß. Vielleicht hat man noch ein paar Eckdaten auf dem Schirm, wenn überhaupt. Im Falle der Roten Khmer sollte aber jeder Reisende unserer Meinung nach das Wichtigste darüber an Wissen mit an die Hand bekommen, bevor er in dieses wundervolle Land reist. Als Reisender in Kambodscha bedeutet es nämlich, dass Sie dieses Land, so wie es jetzt gerade ist, und keinen Einheimischen, den Sie wo und zu welcher Gelegenheit auch immer treffen, jemals begreifen, wenn Sie diese Geschichte nicht zumindest einmal anrissweise nachzuvollziehen versucht haben. Das ist, als wollten Sie nach Deutschland reisen, ohne jemals von der Nazi-Diktatur und ihren Auswüchsen gehört zu haben. Sie würden sich daheim auch insgeheim ziemlich echauffieren, wenn Sie ein reisender Amerikaner im Bierzelt auf dem Oktoberfest fragen würde, ob dieser Hitler, von dem er schon mal irgendwo gehört hat, eigentlich noch an der Macht ist?

 

Sie verstehen also, worauf es an dieser Stelle hinausläuft: wir wollen Sie nicht belehren, keineswegs. Wir möchten Ihnen stattdessen zusätzliche Information liefern, die Ihnen in diesem einfach unbeschreiblich einzigartigen Kambodscha dabei helfen, eine unvergessliche Zeit voller wunderbarer Zusammentreffen mit den Menschen zu genießen, die dort leben, wo ihre Eltern gelebt haben und ihre Kinder jetzt leben werden, dort, wo Sie nun bald (hoffentlich) Urlaub machen werden und einen Mehrwert daraus schöpfen können.

Die Roten Khmer - Wie und warum konnte das passieren?

3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage dauerte offiziell die Herrschaft der Roten Khmer über Kambodscha. Am 17. April wurde die Hauptstadt Phnom Penh von ihren Truppen zusammengewürfelter, teils recht elitärer Anführer und Soldaten, die vorher Bauern waren und nun fanatisiert worden waren, mit den allerbesten Absichten eingenommen. Errichtet werden sollte ein neues kommunistisch-nationalistisches Utopia mit damals 8 Millionen Menschen darin. Diese Menschen hatten nämlich genug gelitten während der französischen Kolonialisierung und dem anschließenden Vietnamkrieg seitens der Amerikaner, welcher ihr Land ebenfalls wirklich alles andere als verschont hatte. China hatte es mit Mao und seiner kulturellen Revolution vorgemacht: Asien kann sehr gut ohne die Hilfe von importierten politischen Systemen, einer nepotistischen Monarchie oder nur von der Hand in den Mund zurechtkommen.

 

Die neuen Führer unter Polt Pot, dem sogenannten Bruder Nummer 1, versprachen, das kleine Land in die planwirtschaftliche Unabhängigkeit zu führen und ein Schlaraffenland daraus zu machen, in dem jeder gleich und reich werden würde. Das war 1975. Die Amerikaner waren mittlerweile gedemütigt aus Asien abgezogen und Europas Autofahrer ächzten gerade unter der ersten Welle der Ölkrise seitens der Opec-Staaten. Zurückgebliebene G.I´s. eröffneten in Thailand erste Bars, Guesthouses und Bordelle und schufen damit einen Anreiz, dass das Land auch touristisch erschlossen wurde. Laos war völlig traumatisiert von den massiven Bombardements während des Vietnamkrieges, obwohl es als neutral galt. Der große Bruder in China hatte seine asiatische Version einer kommunistischen Revolution bereits hinter sich und Parteifunktionäre hatten es sich mittlerweile in ihren Chefsesseln gemütlich gemacht und waren hoch erfreut zu hören, dass sie ihre von ihren Arbeitern billig produzierten Waffen jetzt auch nach Kambodscha exportieren konnten.

 

Wie das ein armes Land wie Kambodscha damals überhaupt bezahlen sollte, war nur den wenigsten klar: in Asien am besten mit Reis! Während die von der kommunistischen Idee ganz zu Anfangs erglühte Bevölkerung nicht darüber nachdachte, wo die nächste Schüssel Reis für ihre Kinder herkommen soll, muss das den gut gebildeten Anführern unter Pol Pot selbst zu Beginn schon klar gewesen sein. Schließlich hatten diese aus der gesellschaftlichen Elite Kambodschas stammenden Emporkömmlinge, wie damals üblich, in Frankreich an guten Universitäten studiert und waren dort mit den theoretischen, marxistischen Lehren, die Daniel Cohn-Bendit 7 Jahre zuvor über die Straßen der französischen Hauptstadt gebrüllt hatte, beim Rotwein trinkend in Berührung geraten.

 

Prompt hatte sie sich aus blindem Eifer oder aus kaltem Kalkül heraus gedacht, dass sie um 1970  zurückgehen und ihr Land und ihre einfachen Bauern und Arbeiter, zu denen sie nie gehörten, befreien und ins kommunistische Licht führen müssten. Diese Ideen stießen auch durchaus auf Anklang. Die Amerikaner hatten 1970 den General Non Nol an die Macht geputscht, der wiederum dabei behilflich sein sollte, den vietnamesischen Kämpfern Kambodscha als Rückzugsgebiet unzugänglich zu machen. Eine harsche Führung seitens Non Nols und die massiven Bombardements seitens der Amerikaner nun auch auf kambodschanischen Boden, trieben den selbsterklärten kommunistischen Anführern im Untergrund die Freiwilligen in die offenen Arme. Die geschröpfte und tyrannisierte Gesellschaft wollte eine Veränderung. Nur wie diese dann kommen sollte, das hatte so auch keiner kommen sehen. Und wenn, dann hätten sie die Roten Khmer im Untergrund bestimmt gemieden wie der Teufel das Weihwasser.

Während der Herrschaft der Roten Khmer – eine unschöne Skizze

Direkt wieder einige Zahlen, die nackt gesehen, für sich sprechen sollten. 8 Millionen Einwohner hatte Kambodscha damals – nach Schätzungen, denn die wenigsten wussten über genaue Totenzahlen des Vietnamkrieges Bescheid und unter der Landbevölkerung, dem Löwenanteil also, war es nicht üblich, sich eine Geburtsurkunde ausstellen zu lassen für ein Kind, welches vielleicht sowieso bald stirbt. Aber diese Zahl dürfte schon hinkommen. Von diesen 8 Millionen starben nur in der kurzen Zeit der Herrschaft der Roten Khmer – in 3 Jahren, 8 Monaten und 20 Tagen also – nach vorsichtigen Schätzungen zwischen 1.7 bis 2.2 Millionen. Manche Statistiken behaupten gar 3 Millionen. Die meisten haben Exekutionskommandos und der Hunger dahingerafft.

 

Exekutiert wurde man unter anderem dafür, dass man vor der Machtübernahme Akademiker war, Geschichtslehrer beispielsweise, und eine Lesebrille brauchte. Oder wenn man ein größeres Feld als sein Nachbar hatte, welches einem der Vater und der Großvater vererbt hatten. Wenn man dazu noch einen Traktor hatte, um dieses Feld überhaupt bestellen zu können, hatte man keine Chance mehr. Nicht nur ging der Traktor in Flammen auf und wurde bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, man selber samt Frau und Kind gleich mit. Alle sollten gleich gemacht werden, und zwar mit Feuer und Schwert beziehungsweise mit chinesischen Gewehren. Alle mussten zum Beispiel auch dieselbe Kleidung tragen – ein schwarzes Hemd mit schwarzer Hose, immer in derselben Machart. Mädchen und Frauen bekamen alle den gleichen Haarschnitt, eine Pagenfrisur. Die Herren und die Buben alle an den Seiten kurz, oben einige Zentimeter. Keine persönliche Habe blieb einem mehr, kein Foto, kein Spielzeug für die Kinder, nichts. Das war George Orwells 1984 in einer pervertierten und völlig kranken Version, initiiert von Leuten, die Marx beim Wein mitten im Paris der Glanzzeit von Paul Belmondo kennen  gelernt hatten. Aber dieser Terror war noch nicht einmal das Schlimmste. Der Mensch kann viel ertragen, wie die Überlebenden von Ausschwitz und anderswo gezeigt haben. Nein, das Schlimmste war der Hunger!

Das arme Volk, das arme Volk!

Als deutschsprachiger Leser weiß man meistens, wie Hitler und Speer sogenannte Kriegsgefangene zum modernen Frondienst gezwungen haben, um Waffen und sonstige Güter zu produzieren. Es gibt nichts daran zu deuteln, aber Pol Pot und seine Khmer Rouge konnten dem noch etwas hinzufügen. Ohne Kriegsgefangene – denn schließlich war Kambodscha ja in keinem Krieg mit anderen Völkern oder Ländern – haben sie wohlwissentlich beschlossen, das eigene Volk als Kriegsgefangene zu halten.

 

Um es kurz zu machen und hier keine Einzelschicksale zu skizzieren: das in die Steinzeit ohne Traktoren, Strom oder sonst wie mechanischer oder technischer Innovation zurückgeworfene Volk, musste auf den Feldern schuften, Exportgüter in Form von Lebensmitteln schaffen, um diese nicht etwa dann wie in der goldenen Utopie vorgestellten Form dieser Befreiung selbst für sich zu haben und wenigstens satt zu werden nach 14 Stunden Arbeit auf dem Feld, inmitten von Mosquitos und Monsun, im Gegenteil. Pol Pot und seine Gesellen nahmen es ihnen mit Waffen- und Terrorgewalt ab, kauften in China dafür Waffen, um wiederum das eigene Volk weiter zu unterdrücken und ferner um gegen die von Osten kommenden Vietnamesen angehen zu können. Obwohl diese selbst Kommunisten waren und schon die Amerikaner aus Höhlen und Tunneln heraus vertrieben hatten, wurde selbst denen das zu bunt im Nachbarland Kambodscha. Selbst dieses Volk, welches Entbehrung genug mitgemacht hatte, hatte Erbarmen und kam dem kambodschanischen Volk zu Hilfe.

 

3 Jahre, 8 Monate und 20 Tage versuchten die Roten Khmer unter Pol Pot sich gegen die Menschlichkeit zu wehren und setzten alles daran, ihre Psychose in eine durch und durch unmenschliche Tat umzusetzen. Wer in dieser Zeit nicht mehr auf dem Feld arbeiten konnte, wurde erschossen. Wer über Hunger klagte oder ein paar Körner Reis aus den Beständen der Soldaten klaubte, wurde erschossen. Wer zu schwach wegen einer Malaria wurde, um ein Feld zu bestellen, wurde erschossen. Alte Männer, Frauen und Kinder. Und als die Roten Khmer kaum noch Kugeln hatten, weil das durch Hunger geschwächte Volk den Reis nicht mehr anbauen und man so die Kugeln aus China nicht mehr bezahlen konnte, haben sie ihren eigenen Landsleuten, ihren Angehörigen, mit dem Hammer den Schädel eingeschlagen, um die restlichen Kugeln zu sparen. 

Ein Hubschrauber Wrack - Stummer Zeuge des Krieges
Ein Hubschrauber Wrack - Stummer Zeuge des Krieges

Wenn Sie es bis hier her gelesen haben…

Es wurden schon gute Bücher zu diesem Thema geschrieben und werden es hoffentlich auch noch weiter. Aber das hier ist nicht der Platz dafür, um mehr als eine Skizze zu zeichnen. Es gibt viele gute Gründe, um nach Kambodscha zu reisen – die Landschaft ist atemberaubend, die Strände wirken wie in Goldstaub getaucht. Die Tempelruinen von Angkor Wat sind, ohne zu übertreiben, beeindruckender als die Pyramiden von Gizeh in Ägypten. Aber das allerbeste, was dort auf Sie wartet, ist ein Volk, das trotz dieser schrecklichen, jüngeren Geschichte, nicht den Kopf in den Sand steckt, sondern in eine scheinbar strahlende Zukunft blickt. Das Schönste daran ist, dass Sie als aufmerksamer Reisender mit den Kambodschanern zusammen diesen Blick wagen können. Und das ist an dieser Stelle keine Phrasendrescherei, im Gegenteil. Nachhaltiger und in ihrem Sinne individueller Tourismus, der sich an höheren Werten misst an als an der Anzahl der Schnitzel und Spiegeleier, die Sie beim Hotelbuffet verdrücken können, darauf kommt es in der heutigen Zeit an. Und dass Sie einmal ehrlich und mit ein wenig mehr Verständnis zurücklächeln, wenn ein Kambodschaner Sie – trotz allem – freudestrahlend angrinst.

Zur Startseite: Kambodscha-Spezialisten.com


info@kambodscha-spezialisten.com
Schreiben Sie uns
Reiseanfrage

Kein „Kataloggeschwätz“ sondern persönliche und "klipp und klare" Reiseberatung. Unsere Angebote werden speziell für Sie ausgearbeitet und nicht lieblos aus der Schublade gezogen.

Hohe Flexibilität während Ihrer Kambodscha-Rundreise durch privaten Reiseleiter und Fahrer.

Reisetermin, Reiseroute und Hotels genau nach Ihren Vorgaben und gepaart mit unseren guten Ideen. 

Große Kambodscha Rundreise:

Angebot: 14-tägige Rundreise ab Phnom Penh via viele eindrucksvolle Orte, bis hin zu Angkor Wat. Kurz gesagt: Kambodschas Höhepunkte erleben.

Große Kambodscha Reise - 2 Wochen
Große Kambodscha Rundreise. Privat!

Die faszinierende Khmer-Kultur:

13-tägige Privatreise quer durch Kambodscha reisen und dabei viel erleben!

Rundreise in die faszinierende Khmer Kultur
Und noch viel mehr als Angkor Wat
Kambodscha Karte
Kambodscha Karte
Anzeige